Dokumentiert: Presseerklärung zum Naziüberfall an der Frankfurter Allee

Gefährlicher Übergriff durch Neonazis am 12. Juli. Antifa bezieht Stellung.

Immer wieder kommt es am S+U Bahnhof Frankfurter Allee zu Übergriffen durch Neonazis auf vermeintlich linke Jugendliche, Migrant_innen oder Menschen, die einfach nur nicht ins faschistische Weltbild der Täter_innen passen. Der aktuelle Höhepunkt dieser Gewalt ereignete sich dort am Sonntagmorgen um ca. 5 Uhr 45.
Vier aggressive Neonazis griffen dabei wahllos Passanten an. Ein 22-Jähriger wurde durch sein alternatives Erscheinungsbild dabei zu ihrem Hassobjekt. Die Tritte, die die Täter dem regungslos am Boden liegenden Opfer minutenlang zugefügt haben führten neben schweren Prellung und einem Jochbeinbruch auch zu Hirnblutungen. Eingreifende Passanten konnten ihren Gewaltrausch nicht stoppen, ein Täter trat sogar auf den Kopf des bewusstlosen Opfers ein. Dieser versuchte den Jugendlichen durch einen sog. „Bordsteinkick“ zu töten, konnte den wehrlosen Körper aber nicht zum Bordstein schleifen. Er drehte das Gesicht des 22-jährigen frontal auf den Boden und trat heftig auf seinen Hinterkopf. Er maltretierte sein Opfer selbst dann noch als die Polizei eintraf. Während der polizeilichen Maßnahmen konnten sich die Täter weitestgehend ungestört bewegen und versuchten Zeug_innen einzuschüchtern und anzugreifen. Dabei kam es zu Rangeleien mit der Polizei seitens der Neonazis.

Einer der Neonazis beschuldigte einen der Zeugen, welcher den Übergriff der Polizei beschrieb, dass dieser ihn provoziert haben soll. Auf Grund dieser Behauptung durchsuchte die Polizei am Sonntag die Wohnung des Zeugen, stellten jedoch keine belastenden Materialen fest.
Was der Polizeibericht und die meisten Medien bisher nicht thematisierten, ist der Fakt, dass die Täter aus der gegenüberliegenden Disko „Jeton“ kamen. Diese war in der Vergangenheit immer wieder Ausgangspunkt für neonazistische Angriffe gewesen, was unter anderem die Chronik der lokalen „Antifa Friedrichshain“( http://freeweb.dnet.it/antifhain/chronik.htm) belegt. Da das zum großen Teil auch rechts gerichtete Publikum des Jetons eine Gefahr für viele Menschen im Friedrichshain darstellt, sehen wir es als notwendig an auf dieses Problem mit allen Mitteln aufmerksam zu machen. Wir fordern daher von den Betreibern des „Jeton“, endlich hart gegen sein teilweise rechtsradikales Klientel vorzugehen und somit an der Verhinderung rechter Gewalttaten am Brennpunkt Frankfurter Allee mitzuwirken. Wir verurteilen außerdem das Vorgehen der Polizei, da somit Personen, die sich trauen gegen Neonazis Aussagen zu tätigen, in Zukunft eingeschüchtert werden. Die, auch von staatlicher Seite immer wieder geforderte, Zivilcourage wird somit von staatlicher Seite selbst unterbunden und verkommt zur Farce.

Ein breites antifaschistisches Bündnis organisiert darum für den Samstag, den 18.Juli, um 18 Uhr am Bersarin Platz eine Demonstration um gegen rechten Terror in Friedrichshain zu demonstrieren und das „Jeton“ zu einer klaren Positionierung zu zwingen (Aufruf: http://nea.antifa.de/specials/fallee.html).

14. Juli 2009, Bündnis antifaschistischer Gruppen