Dubiose Namensgeber

In diesen Tagen erschien eine Studie des Chemnitzer Historikers Geralf Gemser, die sich mit der Namensgebung von Schulen in Sachsen beschäftigt hat. Er fand heraus, dass alleine in Sachsen von etwa 2000 Schulen noch mindestens „acht ehemalige NSDAP-Parteiangehörige, drei SA-Mitglieder und ein SS-Mann“
(SPIEGEL) als dubiose Namenspaten für Schulen dienen.

Der Forscher schätzt, dass bundesweit immerhin eine „dreistellige“ Zahl von Schulen nach ehemaligen Nazis benannt ist. Dabei handelt es sich meist nicht um Täter im streng juristischen Sinne, sondern eher um Befürworter bzw. Mitläufer des NS-Systems.

Gemser ist auch in Berlin kein Unbekannter. Durch seine Forschungen wurde bekannt, dass ein Gymnasium in Charlottenburg bis vor kurzem nach Erich Hoepner benannt war. Hoepner war als Generaloberst der Wehrmacht
für Zerstörung und Leid in der Sowjetunion, Polen und anderen Ländern verantwortlich. Die Schule heisst mittlerweile Heinz-Berggruen-Schule.

Wichtig ist es, gerade auch für Lehrer_innen und Schüler_innen, an ihren jeweiligen Schulen den eigenen kritischen Umgang mit der NS-Vergangenheit an der betroffenen Schule zu lernen und gemeinsam zu gestalten. Daraus erwächst sicherlich mehr demokratisches Potenzial, als eine Orientierung an solche
„Namenspatronen“.

Quellen:
SPIEGEL, Nr 6/2009, 02.02.09, S. 60 „Dubiose Paten“. Autor: Jan Friedmann

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,604966,00.html
http://www.fischer24.eu/index.php?site=artikel1&id1=2670
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/914010/
http://www.tagesspiegel.de/berlin/art270,2174248